Fig. #148 Nasebaer als NFT
Nasebaer
Alle Sichtungen. Die ganze Geschichte.
Epilog
Der Nasebaer hätte es besser haben können. Aber er muss gerade mich plagen. Bis in mein selbstverschuldetes* Ostthüringer Asyl, irgendwo auf einer abgelegenen Lichtung, zwischen hohen Tannen und sanften Hügeln, ist er mir nicht von der Seite gewichen. Gelegentlich treffe ich hier einen sehr alten Menschen, der mir, wie könnte es anders sein, von früher erzählt. Beneidenswerte Perspektive. Mich plagt der Nasebaer. Aktuell und schon seit Jahren. Von Oedelsheim bis hier, hat er mich verfolgt. Nicht, dass ich auf der Flucht vor ihm wäre. Das eher vor meiner Schuld, die ich hier zu finden hoffe, irgendwo im schimmernden Moos unter den Tannen.
Alle Nasebaer Sichtungen versuchte ich wahrheitsgetreu und akribisch aufzumalen. Aber mangelhafte Fähigkeiten meinerseits und die Ungeduld der Langnase, trieben uns beide gelegentlich an den Rand einer viel befahrenen, sechsspurigen Autobahn. Sie teilt die Landschaft hier in Südostthüringen und Nordostthüringen und das Ende der Welt. Trübes Resümee für mich und ideal für den umtriebigen Nasebaer, denn Reisen ist seine, nicht meine Sache. Er trampt.
Die Rezeptionsgeschichte und mediale Wirksamkeit der Sichtungsnachweise, der Animationen, Zeichnungen, Holzschnitte und all der wirklich aufrichtigen Bemühungen, ist dürftig geblieben. Ja, sie ist in Unverständnis und Kurzweil versunken. Eine Baerenhand voll Heteronymen, wechselnde Domainnamen, mutwillig modifizierte DNS-Einträge, verschlissene Social-Media-Profile und viel Aggitieren, nichts half, die verschlüsselte Botschaft der parabolischen Posts, offenzulegen oder irgend jemandem zu vermitteln. Deshalb bleibt mir nichts, als die sich ständig ändernden Geschichten hinter den Bildgeschichten, auf diesem digitalen Palimpsest zu enthüllen und immer wieder zu überschreiben. Bis ans Ende meiner Tage. Und alle Plagerei, als hätte ich nichts anderes zu tun.
Der Nasebaer gehört einer zweidimensionalen Randgruppe an. Er ist für 99,9999% der Menschen unsichtbar, sexuell indifferent, neurodivergent, hyperpolitisch, geschlechtsneutral männlich bei vollständiger libidinöser Inappetenz, unmusikalisch, zeitweise verträumt aber unerbittlich prophetisch, olfaktorisch hochsensibel, pinkfarben attraktiv und multiple überpersönlich. Er neigt zu spätdadaistischer Poesie im 5-7-5-Haiku-Versmaß, Übersinnlichkeit, tagespolitischen Kommentaren und Flatulenz.
2020 wurde der Nasebaer angeblich bei Renovierungsarbeiten an der Wand eines Lesesaals der Göttinger Universitäts-Bibliothek, Zweigstelle Rhumspring-Hasenwinkel gesichtet. Die Quelle, ein nordhessischer Schwarzarbeiter und Steuerhinterzieher, ist aber unglaubwürdig. Also muss ich wieder ran, dem auch niemand glaubt.
* Resümee meines Markt-Holzkirchner-Handy-App-Psychoanalytikers (Freudianer, Satyriasist, aufopferungsvoller Vater, Wochenzeitungsabonnent, Drachenflieger, Heilpraktiker und eine Empfehlung des Nasebaers), nach einer dreijährigen Online-Einzeldauersitzung, bei der nur medizinisches Marihuana aber keine Bildübertragung zugelassen war.

Fig. #171 Nasebaer nach einer vollständigen Umwanderung der Welt, bei sich selbst ankommend und seine nun kreisrunden Erfahrungen und kreisenden Gedanken mit einem Hula-Hoop-Reifen am eigenen Körper noch einmal anthropophysisch validierend.
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Fig. #170 Nasebaer als Riese namens Reprobus, einen reißenden Strom querend, in einem der mysteriösesten Sichtungsnachweise der gesamten Nasebaerrezeption, mit einem Titel, der aller Wahrscheinlichkeit nach falsch ist.
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Fig. #169 Nasebaer in sehr seltener en profil Aufnahme (Studie für eine nie ausgeführte Tuschzeichnung eines unbekannten und noch immer in Vergessenheit geratenen Oedelsheimer Kirchenmalermeisters) auf Oma Hildes gediegener Anrichte, hübsch gerahmt mit anderen Langnasen.
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Fig. #168 Nasebaer dem Feldweg entglitten, im allwöchentlich-typografischen Frühnebelfeld, den matschigen Pfad unter den Füßen versuchend wiederzufinden.
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Fig. #167 Nasebaer als akzelerierender Kurstherapeut, dem mimetischen Begehren mit Nasoberität begegnend.
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Fig. #166 Nasebaer betroffen, beim Mittwochabend-Wassergymnastikkurs auf dem Grund des Beckens ein ertrunkenes Q entdeckend.
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Fig. #165 Nasebaer und Broholmerhörnchen, Ball spielend, im analogen Tagesanbruch eines frühen Spätsommermorgens.
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Fig. #164 Nasebaer als usurpierender Wappenbaer auf dem edlen Pergament einer deutschen Wappenrolle aus dem Jahr 1485.
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Fig. #163 Nasebaer völlig missverstanden in fotorealistischer Interpretation einer bildgebenden KI.
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Fig. 162 Nasebaer objektorientiert-ontologisch, sich selbst als Heidegger-Krug und Lacan-Leere begegnend.
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Fig. #161 Nasebaer, digital lichtgetränkt, absentiert, einen 269 Jahre alten Brief mit einem Zitat von Mathilde Wesendonck im weichen Delfter Licht der Goldenen Zeit lesend
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Fig. #160 Nasebaer tanzend, bei fast Vollmond in einem Schwibbogen, Ostthüringer Imitat eines gefälschten Meisterstücks Erzgebirgischer Laubsägeblattkunst.
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Fig. #159 Nasebaer diplomatisch, am Fuße des heiligen Fuji-san (富士山), einen gefährlichen Clan zu einem Polaroid-Vortrag ladend.
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Fig. #158 Nasebaer mit Kakemono (掛け物), unter einem alten wilden Kirschbaum im Zazen, das Satori erreichend.
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Fig. #157 Nasebaer stolz, mit Broholmerhörnchen, neuem Markenlogo und ultramodernem, abwaschbarem Yakuza-Tatoo von einem Japan-Trip zurückkehrend.
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Fig. #156 Nasebaer clouding, in optimaler Work-Life-Balance.
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#155 Nasebaer? Vollmond nahe Miesbach/Oberbayern am 13./14.07.2022.
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#154 Nasebaer lehrend, bei einem Social Media Samstagskurs einem Hinterzimmer des Hotel-Restaurants „Schnitzelschmiede“ in Reinhardshagen, selbstbewusst auf einem unveröffentlichten Lehr-Bild-Beitrag.
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Fig. #153 Nasebaer Brotzeit im Morgentau, beim Fleischpflanzerl-Splitting mit einer Dionaea muscipula auf einem Autobahnrastplatz bei Nieder-Olm.
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Fig. #152 Nasebaer als Bierbaerenkönig, besonders lecker, auf einem Oberbaerischen Volksfest.
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Fig. 151 Nasebaer montäglich, beim Chillen mit einem sehr guten Freund.
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Fig. #150 Nasebaer pop-artistisch, auf einer gefälschte Serigrafie von Mr. Andy W. nach einem umstrittenen Gemälde von Jean-Denis Attiret
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#149 Nasebaer nach einer Imageberatung durch ein berühmtes italienisches Mode-Imperium, während eines Fotoshootings im vertrauten Oedelsheim vor einer Fotoleinwand von New York City.
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Fig. #148 Nasebaer digital, als hastig erzeugtes, Millionen-Dollar teures NFT.
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Fig. #147 Nasebaer als Fashion-Infuencer. Abb.: Groupie Broholmerhörnchen mit online neugekaufter Nasebaermaske.
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Fig. #146 Nasebaer Recall, im Münchner Hoftheater vor indigenen, gekrönten Häuptern.
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Fig. #145 Nasebaer doppelt geboostert als HL Sebastian an einem altschwäbischen Pranger.
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Fig. #144 Nasebaer als Schatten seiner selbst, nach einer siebentägigen Champagner-Abstinenz.
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Fig. #143 Nasebaer deformiert nach Konsultation seines auris medicus.
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Fig. #142 Nasebaer vegetarisch nach einer Überdosis Wurzelgemüse.
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Fig. #141 Nasebaer pomologisch auf einem antiken Apfelbaumgemälde, rücklings auf seinem Pferd sitzend und semantische Studien zu Äpfeln betreibend.
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Fig. #140 Nasebaer auferstanden aus dem High-End-Pixel-Screen eines nigelnagelneuen Tabletts.
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Fig. #139 Nasebaer träumend, nachts bei Vollmond als limitierte Banksy-Landart-Print-Version.
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Fig. #138 Nasebaer schreitend mit Broholmerhörnchen bei einem herbstlichen Spaziergang.
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Fig. #137 Nasebaer eidgenössisch auf einer Fensterscheibe über den Dächern von Zürich um halb drei Uhr nachts.
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Fig. #136 Nasebaer for Love auf einem von allen ignorierten Twitter-Tweet.
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Fig. #135 Nasebaer beurlaubt, am Strand von Panama Schaumkronen zählend.
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Fig. #134 Nasebaer mythisch mit befreundeten Königen auf dem Weg ins Morgenland.
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Fig. #133 Nasebaer als Schneenasebaer in den Harzer Alpen.
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Fig. #132 Nasebaer zurückgeführt, nach Mahlers Fünfter wiederholt ein Adagietto in Großopa Gustavs alten Mantel summend.
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Fig. #131 Nasebaer lesend in der Stube, mit präferierter Intellekt- und Konzentrationsfördernder Ergänzungsnahrung: Baumkuchenspitzen.
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Fig. #130 Nasebaer subsolar, mit seiner superteuren Wilhelm Richard Schmitt-Schmidt* Sonnenbrille (ehemaliger Komponisten-Eleve, dann Hufschmied, jetzt Brillen-Designer in Oedelsheim), einem Geschenk von Oma Sibylle, in deren gemütlicher Stube, Licht tankend.
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Fig. #129 Nasebaer gelangweilt, beim Modellsitzen in einem Dresdner Meisterschüleratelier auf den Brühlschen Terrassen.
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Fig. #128 Nasebaer im Morgennebel, auf dem Weg nach Oedelsheim.
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Fig. #127 Nasebaer blau, auf einem Bierdeckelrand die Augen rollend.
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Fig. #126 Nasebaer konspirativ, nachts mit anderen Unbekannten in einer Jugendstilvilla anläßlich der Hildener Kürbisernte.
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Fig. #125 Nasebaer gruselig.
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Fig. #124 Nasebaer besorgt, um Aufmerksamkeit bittend.
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Fig. #123 Nasebaer maritim, im Meer vor Panama rudernd.
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